Zwischenzustand

Bevor es inhaltlich gleich weitergeht, möchte ich eine Sache noch mal in aller Klarheit herausarbeiten, die sich aus dem bisher Gesagten zwar bereits ergibt, die zu verstehen für dieses Thema aber sehr wichtig ist:

Zweifel haben die Tendenz, das Handeln im Sinne einer bereits getroffenen Entscheidung lahmzulegen, auch wenn die Entscheidung als solche aus rationaler Sicht aufrechterhalten wird. Die Entscheidung wird mit weniger Enthusiasmus umgesetzt, es werden Dinge nicht getan, die im Sinne der Entscheidung ohne den Zweifel getan würden.

Und das ist wie bereits ausgeführt eine Reaktion auf den Zweifel, welche den Zweifel als negative Erfahrung wachsen lässt, auch wenn der Zweifel ansonsten gar keine Substanz hat. Zweifel können dadurch so sehr wachsen, dass auch eine ansonsten gesunde Liebesbeziehung früher oder später daran zerbricht.

Wenn die Zweifel wachsen, lähmt das das Verhalten im Sinne der Entscheidung noch mehr.

Das ganze ist ein Teufelskreis, der so weit führen kann, dass ein Mensch praktisch überhaupt nichts mehr tut. Weder revidiert er die Entscheidung, noch handelt er im Sinne der Entscheidung. Es entsteht eine Art Starre oder auch Lähmung. Die Energie kommt völlig zum Erliegen.

Ich nenne das "Zwischenzustand", weil das Verhalten weder der Entscheidung folgt, noch die Entscheidung auflöst.

Das Problem an diesem Zwischenzustand ist, dass er zu keinerlei Lösung führt. Es ist einfach eine Starre, in der sich gar nichts mehr bewegt.

Ich hatte im letzten Kapitel bereits ausführlich erläutert, dass die Lösung darin besteht, sich von den Zweifeln im Verhalten nicht beeinflussen zu lassen. Ich möchte hier aber noch auf etwas anderes hinaus:

Warum ist das so? Warum bringen Zweifel das Handeln im Sinne einer Entscheidung zum Erliegen?

Weil das Handeln im Sinne der Entscheidung zu einer stärkeren Konfrontation mit den Zweifeln führt. Indem das Handeln im Sinne der Entscheidung eingestellt wird, weicht man gleichzeitig den Zweifeln aus. Es ist ein Vermeiden der unangenehmen Gefühle.

Sehr viele Beziehungen verharren über Jahre oder gar Jahrzehnte in diesem Zwischenzustand.

Indem man konsequent im Sinne einer Entscheidung handelt, erfolgt die volle Konfrontation mit den Zweifeln. Das ist der Widerspruch, den es auszuhalten gilt: Für die Entscheidung handeln und gleichzeitig alle Zweifel ganz zulassen.

nächstes Kapitel: Der Wahrheit ins Auge sehen
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